Java-Bashing: It’s so boring!

Der liebe Kollege Tomicic hat einen Beitrag in seinem Blog verfasst, den ich so nicht stehenlassen kann. Es geht dabei um die Aussage der Businessweek, dass Java und die J2EE tot seien – was aber nur simples Wunschdenken des Autoren, einer Meinungsforschungsfirma und leider auch des Kollegen ist.

Nur weil eine Zeitung und ein Marktforschungsinstitut es behaupten, sind weder Java noch die J2EE tot. Im Gegenteil: Sie rocken mehr als je zuvor und sind innovativer als je zuvor: Ein Beispiel: Generics – kam bei Java 5 mehr als ein Jahr vor .NET 2.0, und ist nebenbei auch noch konsequenter implementiert.

Hinsichtlich Beans: Ich hoffe, dem Autor ist klar, dass eine einfache Klasse bereits eine Bean ist? Und ja, die musste man einfach haben – nämlich weil es einfach besser war und ist, objektorientiert (neben dem ganzen Hype) zu arbeiten. Falls Enterprise Java Beans gemeint sind: Die bewegen sich Bereichen, in die man derzeit mit .NET-Technologie noch kaum hinkommt. Insbesondere deshalb, weil es eben noch kein Pendant zu integrierten Applicationservern wie WebLogic oder WebSphere mit deren weitreichenden Funktionalitäten gibt. Ohnehin ist .NET bisher kaum im Enterprise-Bereich angekommen, weil eben wichtige Technologien und Techniken nicht verfügbar waren und nach wie vor auch sind – erwähnt seien nur mal Sachen wie Hibernate (ja, da gibt es einen mittelprächtigen Port), serverbasierende Persistenz, Spring oder ähnliche Sachen. Es ist also recht vermessen, hier einen Abgesang auf Java und J2EE zu singen – auch wenn da der Wunsch der Vater des Gedanken ist.

Hinsichtlich der “Basistechnologie für Service-Provider” lässt sich nur soviel sagen: Sowohl .NET als auch Java rollen den Markt an der Stelle auf – und zwar zu Lasten von älteren Technologien (COM, CORBA, etc.). Beide bieten sehr schön nutzbar WebServices-Implementierungen an und sind beide performant und schnell.

Und, lieber Autor: Wenn Du denkst, dass Java langsam und träge sei, dann wird es Zeit, dass Du es mal ausprobierst… Ich kann dieses Vorurteil von den ach so langsamen Java-Applikationen nicht mehr hören. Auch hinsichtlich “schwerfällig” und “teuer am Ende”: Das sind Vorurteile! Was bitte ist denn an einer gut programmierten J2EE-Lösung schwerfällig? Und was ist an einer J2EE-Lösung auf Basis von JBoss und anderen OpenSource-Tools teuer? Nicht mal die Folgekosten sind höher als bei einer .NET-Lösung – wie auch, das Wissen liegt praktisch auf der Strasse, das System ist weitestgehend egal und Lizenzkosten fallen auch nicht an.

Noch ein Aspekt: Die wesentlich ältere und oftmals auch regere Community im Java-Umfeld: Sorry, was allein die Anzahl der Leute angeht kann .NET derzeit noch nicht mithalten. Zwar steigt hier die Anzahl, aber Java / J2EE hat da sicher auf lange Zeit noch die Nase vorn.

Versteh mich nicht falsch, lieber Autor: Ich liebe .NET und ich setze es nicht ohne Grund sehr weitreichend ein. Aber ich kenne und nutze auch Java und die J2EE – und kann die Aussagen nur unter dem Aspekt einer ziemlich plumpen Werbung nachvollziehen. Wer sich ein Urteil über eine andere Technologie erlauben möchte, sollte sie doch bitte zuvor kennen lernen und nicht einfach nur mit Halbwissen und Hörensagen um sich schlagen.

Klare Aussage am Ende: Weder Java noch J2EE sind tot. Im Gegenteil: Sie leben! Das wird sich spätestens mit der J2EE 1.5 und Java 6 zeigen, die beide im nächsten Jahr zu erwarten sind. Und das haben wir alle davon: Mehr Innovation und mehr neue Features sowohl in .NET als auch in Java, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.

Ach so, zuletzt: Ich nutze beide Technologien, gebe Trainings mit ihnen und schreibe Bücher drüber. Ganz ehrlich: Das alles würde ich nicht machen, wenn eine der beiden Technologien träge, langweilig oder unpraktisch wäre. Ich kann nur jedem Entwickler und Entscheider raten: Schaut mal über den Tellerrand und seht euch mal die Konkurrenz an. Es könnte durchaus interessante Überraschungen geben!

2 Comments so far

  1. Damir on Dezember 15th, 2005

    Hallo lieber Kollege ;-)

    Ich habe weder gesagt, Java/J2EE seit tot. Ich habe sogar gesagt “keiner behauptet, es sei sei schlecht”. Ich auch nicht, vor alem da ich aus dem Unix-Umfeld stamme und mit Java in der Vergangenheit mein Geld verdient habe. Aber es stimmt, ich gebe weder Trainings noch schreibe Bücher darüber. Ich bin leider nur in den Kundenprojekten tätig und sammle so meine Erfahrungen. Es tut mir so leid, dass du dich mit so armseligen Menschen abgeben musst.

    Nun, da ich sehe wie du den Artikel schnell angeschaut und noch schneller deine Antwort geschrieben hast, hier die Aussage nochmal:

    Ich habe mich auf den Hype bezogen. Meine Aussage ist klar – Java und J2EE sind Marktherrscher, die frage ist nur wie lange noch. Es ist kein Java-Bashing, es ist vielmehr Bashing des trägen Umfelds der Java-Community. Die existiert seit vielen Jahren, kann aber den hype in der “lightweight” Welt nicht mitmachen.

    Dass am Ende Java und .NET wahrscheinlich dominieren werden, ist ziemlich klar. Echt, ist es klar? Na ja, nur dann wenn J2EE Marktherrschaft zu brödeln beginnt. Aber, das darf ich nicht sagen, sonst ist es Java-Bashing. Ich für meinen Teil beobachte die Entwicklung und stelle zunehmend fest, dass PHP auch im Unternehmen Java bevorzugt wird und die Marktherrschaft nicht allzu lange andauern kann. Fehlende Marktherrschaft aber mit einem Tot zu vergleichen, hmmm…

    In Deutschland ist J2EE wesentlich stärker vertreten, als in den anderen Ländern, insbesondere im Enterprise Umfeld. Aber die aktuellen Zahlen zum Wahl der strategischen Plattform setzen beide Technologien relativ gleichauf. Nun, dass ich meiner Ansicht nach nie behauptet habe, J2EE seit tot, muß ich es auch nicht begründen.

    Was ich mit träge und teuer meine? Ich beziehe mich auf die Kosten und Verlauf der Entwicklung. Das hätte ich besser herausstellen sollen. Nun ja – mein Entschluß die Lösungen vorwiegend im .NET Umfeld zu bauen basiert auf einer parellelen Entwicklung im Enterprise Umfeld, in dem J2EE-basierte Lösungen und .NET-basierte gleichzeitig entwickelt werden. Hier ging es nicht um religiöse Behauptungen, vielmehr um finanzielle. Vielleich sollte man solche Vergleiche auch verdeutlichen, ein guter Hinweis, den ich aufgreifen werde.

    Ist was ich geschrieben habe provokant geschrieben? Klar. Sonst würde ich so eine Antwort nie bekommen, die Diskussion würde nie stattfinden. ;-)

  2. PARTY POKER bonus code on Juni 29th, 2006

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