POLITIK: Meuchelmörder

Es war abzusehen. Es war eigentlich sonnenklar. Es war wohl unausweichlich: Mehrere SPD-Abgeordnete haben ihrer Landeschefin Ypsilanti die Gefolgschaft verweigert und somit verhindert, dass der unsägliche Roland Koch endlich dort landet, wo er hingehört: Auf dem Müll der Geschichte.

Besonders perfide ist der Zeitpunkt: Einen Tag vor der Wahl. Dazu fällt mir eigentlich nur noch ein: Schweinebande, aber komplett. Speziell, wenn man sich ansieht, welche Begründung angeführt wird: Die Linkspartei. Nun kann man zu denen stehen, wie man möchte, aber der Plan war seit Monaten bekannt, die Parteibasis hatte dem zugestimmt, sämtliche Gremien waren einverstanden.

Nein, hier geht es ganz sicher nicht um die Linkspartei, wie es bei Dagmar Mezger der Fall ist. Hier geht es um schlichte, dreckige politische Wäsche – speziell, wenn man sich anschaut, dass die handelnden Personen eben alle so ihre Probleme mit Andrea Ypsilanti haben. Da wurde mal einfach abgerechnet, und zwar gründlich.

Sowas ist widerlich. Andererseits ist es absolut typisch für eine Partei, wie es die SPD ist, die im Grunde an vorderster Front von Karrieristen (Walter) oder Putschisten (Steinmeier, Müntefering) repräsentiert wird. Wobei das ja nicht nur die SPD ist – egal, ob Linke (Lafontaine), Grüne (die unerträgliche Frau Roth), FDP (Guido Westerwelle) oder CDU / CSU (Angie-Baby, Pofalla, Koch, Glos, Seehofer), sie alle nehmen sich da nichts. Und dann wundert man sich noch darüber, dass die Leute Politikern nicht mehr trauen, ihnen kein Wort mehr glauben und letztlich nicht mehr wählen gehen?

Das ist das wirklich Traurige an dieser Situation: Die vollkommene Aussichtlosigkeit, da sich ja auf absehbare Zeit nichts ändern wird.

Es sei denn, jemand tut mal was.

3 Comments so far

  1. Hannes Preishuber on November 4th, 2008

    wer hats geplant, wer ist gescheitert? Einen Koalition als #2 ist waghalsig vor allem da über den kleinesten gemeinsamen Nenner “Koch muss weg” definiert. Viel riskiert alles verlohren. Wenn Ypsilanti das in Kauf nehmen wollte…

  2. Thomas on November 4th, 2008

    Verstehe die Aufregung nicht wirklich, da keine der möglichen Konstellationen dort auch nur ansatzweise strapazier- und tragfähig wäre.

    Ich kenne die genauen Inhalte der Programme von SPD und CDU nicht (hatte die CDU neben Hetze und Ausländerfeindlichkeit noch was?), aber imho wäre nach derzeitigem Wahlergebnis wohl höchstens eine große Koalition denkbar, am besten wenn Ypsilanti und Koch sich vorher verabschieden.

    Noch besser wäre aber wohl einfach eine neue Wahl … soll der Souverän entscheiden, was nun passiert.

  3. Pokerheuschrecke on November 4th, 2008

    Sie sprechen mir aus der Seele. Das ist wirklich mal wieder typisch. Seit einem halben Jahr schafft es die SPD nicht eine Regierung zu bilden. Dass sich das negativ auf die nächsten Wahlen auswirken wird, ist wohl klar…