#Sport: WM und der Sack Reis

Ich muss es wohl für den einen oder anderen Fussball-Freund und dessen Toleranzschwelle übertrieben haben, als ich auf Twitter meinte: “4:0. Und in China ist ein Sack Reis umgekippt”. Das tut mir auch fast leid, ich wollte Fußball-Deutschland nicht ins Verderben stürzen.

Mich stört beim Thema Fußball-WM (oder –EM oder einfach nur Länderspiel) aber noch nicht mal, das Millionen und Abermillionen von Menschen Fußball schauen oder da mitgehen oder sich dabei amüsieren. Nein, was mich stört ist, das es eine Zwangsveranstaltung wird, der man sich weder entziehen kann, noch soll oder gar darf. Da wird man über Wochen hinweg mit Werbung beballackt beballert, in der es nur noch um Fußball geht, da ist die Verletzung von Michael Ballack das wichtigste Thema über Tage hinweg, da wird in epischer Breite diskutiert, wer wie wo wann spielt, da wird es fast eine patriotische Pflicht, das toll und wunderbar und interessant zu finden.

Das Dumme ist nur: Mich interessiert das nicht. Wohl interessiert mich das Spiel (oder zumindest das Ergebnis), aber nicht das Drumherum – dieser total überzogene Nationalstolz, dieses wichtigtuerische Gerede von zig selbsternannten Fußballexperten, diese Zwangsbeschallung mit Fußball, dieser kollektive Massenwahn und dieses Gejammere über die Vuvuzelas, dieses Ausblenden von wirklich wichtigen Themen.

Aber wehe, man folgt dem Hype nicht oder hält zumindest seine Klappe: Da wird man dann beschimpft, da ist man dann ein Ignorant, da solle man mal die Kirche im Dorf lassen, da würde man unpatriotisch sein (was ich wahrscheinlich sogar bin), da ist man ein Miesepeter und überhaupt ein ganz schlechter Mensch.

Argumente, wie etwa, dass man sich dem Lärm, dem Rumgeknalle, dem Gejohle, der Werbung, dem nationalen Taumel wohl schlecht entziehen könne, weil diese eben ÜBERALL sind, kann man für diesen Zeitraum nicht anbringen. Man wird zwangsweise kollektiviert, man darf gar keine andere Meinung haben und sie erst recht nicht äußern, sonst ist man unsozial, unpatriotisch und uninteressiert.

Aber wisst ihr was? Dann bin ich eben unsozial, unpatriotisch und uninteressiert.

Ich muss euch ertragen, also ertragt mich auch: Jubelt, aber nehmt es gefälligst hin, das ich nicht mitjubele. Feiert, aber ertragt es, wenn ich nicht mitfeiere. Regt euch über die Vuvuzelas, irgendwelche Karten und Herrn Klose auf, aber lebt damit, dass ich das einfach lächerlich finde.

Und erwartet bloß nicht, dass ich meine Fresse halte, nur weil es euch nicht gefällt.

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