MEINUNG: Arsch offen
Unabhängig davon, ob ich die Forderungen für gerechtfertigt halte oder nicht: Die haben doch echt den Arsch offen, die Typen von der GDL und von Ver.di. Ab Morgen geht in Berlin nämlich BVG-technisch nix mehr – keine Straßenbahn, kein Bus, keine U-Bahn. Und dann ab Montag auch bei der Bahn nicht – keine Regionalbahnen, keine S-Bahn. Ach ja, und ab morgen werden auch Flughäfen bestreikt.
Jetzt mal ernsthaft: Hackt es bei denen? Sind das alles Callboys oder tun die nur so?
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Diese Woche werden bei uns an der Schule die Prüfungen geschrieben. Was bin ich froh das die S-Bahn nur 1,5 km entfernt ist.
Manch einer aus meiner Schule hat heute schon laut geflucht.
Aber zum glück ist ja Freitag auch wieder Schluss – mit den Prüfungen – ob mit dem Streik, mal schauen…
Hallo Karsten,
wenn du kein Auskommen mit dem Einkommen hast, deine Leistung, die dir übertragene Verantwortung sich nicht im Gehalt wiederspiegelt, dann denkst du vielleicht anders darüber nach. Die Wortwahl, die du zu diesem Problem gefunden hast, finde ich etwas unpassend. Gewerkschaften sind sicher ein großes Übel in diesem Land und vorallem die “Macht”, die sie haben. Aber ich denke auch, dass die lieben Aktien-Firmen, weniger nach der Dividende schauen sollten, sondern ihr Kapital (das eigene Personal) mehr im Auge haben sollten.
Rene, ich habe kein Wort darüber verloren, ob ich die Geld-Forderungen für sinnvoll halte oder nicht. Darüber kann man gerne diskutieren – speziell bei den Lokführern fand ich das Ergebnis letztlich sehr wohl angemessen und habe auch gegen die letztjährigen Streiks nichts gehabt.
Bei der BVG ist es was anderes – die haben gerade vor zwei Jahren eine zwanzigjährige Beschäftigungsgarantie erhalten und führen nun noch nicht mal Verhandlungen, bevor sie streiken? Nein, tut mir leid, da hört es auf. Vor einigen Wochen gab es schon mal einen Warnstreik – 39 Stunden, mit nicht mal einem halben Tag Vorankündigung. Das ist eine Frechheit, zumal es eben genau die betrifft, die ohnehin schon sehr wenig haben, denn die können sich in aller Regel kein Auto leisten oder die Spritkosten tun einfach weh.
Das jetzt momentan in Berlin ist ein unbefristeter Streik der BVG – wie gesagt, ohne dass es ernsthafte Verhandlungen gegeben hätte. Zumal es auch andere Möglichkeiten als einen totalen Ausstand gegeben hätte – etwa jeden Tag im Berufsverkehr zwei Stunden morgens und zwei Stunden abends streiken, dann liegt die Stadt auch flach, aber es trifft halt nicht die Älteren und die Schwächeren.
Sowas meine ich mit “Arsch offen” – es geht nur um Krawall und Muskeln zeigen. Zumal man nicht vergessen darf, dass in Berlin bei der BVG die Verdi in Konkurrenz zur GDL steht – schon allein deshalb müssen die jeweils härter als die Konkurrenz sein.
Nö, ich finde es nicht angemessen, was da passiert.
Also ich kenne Berlin sehr gut, und weiß sehr gut, was es heißt, wenn die BVG streikt. Aber wenn man nicht unbedingt täglich von Tegel nach Steglitz oder von Lichtenberg nach Spandau muss, dann muss man auch sehen, dass sich in Berlin an jeder Strassenecke nahezu alles dupliziert.
Kern des Übels sind und bleiben (deutschlandweit) die Gewerkschaften und die Gier nach Dividende…
Gruß
Rene
Also, wenn Du Berlin so gut kennst, dann wirst Du auch wissen, dass der gemeine Berliner im Randbezirk wohnt (Pankow, Reinickendorf, Marzahn, Hellersdorf, Spandau, Lichterfelde, Köpenick, …) und in der City arbeitet. Der ist entweder aufs Auto angewiesen oder die öffentlichen Verkehrsmittel. Fahrrad ist nicht immer eine Alternative, denn man kann – wenn man Pech hat – schon mal 30-40 Kilometer fahren, um zum Arbeitsplatz zu gelangen.
Wie bitte soll das in der nächsten Woche gehen? Die Straßen sind komplett dicht, da geht nix mehr. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht, also nur Fahrrad. 30-40 Kilometer, von mir aus auch nur 10 Kilometer, mit dem Rad? Jede Richtung Mindestens ne Stunde, eher deutlich mehr. Nicht jeder ist eine Sportskanone, aber fast jeder will und muss sein Geld verdienen – und wenn ich mir die Kita anschaue und sehe, dass dann dort die Hälfte der Erzieher nicht kommen kann, weil die eben noch weiter weg wohnen, was hier üblich ist, dann komme ich wieder zum gleichen Schluss: Es ist einfach nicht angemessen. Der Streik wird auf dem Rücken von allen ausgetragen. Und da hört es für mich vom Verständnis her auf, bei aller Liebe für mehr Geld.
Was aber noch wichtiger ist, sind die Beweggründe hinter dem Streik: Es geht hier eigentlich um einen Machtkampf – und zwar auf der einen Seite zwischen BVG und Verdi und auf der anderen Seite zwischen Verdi und GDL. Die BVG – und damit das Land Berlin – hat ein durchaus verhandlungsfähiges Angebot gemacht (200 EUR einmalig, 6% mehr Geld), Verdi spricht nicht mal drüber. Verdi macht einen auf Krawall, weil die schon hunderte Mitglieder aus der BVG an die GDL verloren haben. Dort geht es ums Geld, um Macht und Einfluss. Das ist das wahre Problem, nicht das Durchsetzen von Forderungen.
Karsten, ja ich weis und da gebe ich dir auch recht. Ich hatte zu meiner Frau auch gesagt, das der Randberliner aber richtig arm dran ist.
Aber es ist immer das gleiche: das Übel liegt bei den Gewerkschaften.